Spielpause bis nach Ostern???

Der Lockdown ist bis zum 31. Januar verlängert worden, und damit bleiben uns auch die Einschränkungen im Breiten- und Freizeitsport erhalten, schließlich sind die Sportanlagen geschlossen. Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf den regionalen Fußball?

Auf den ersten Blick keine. In seiner Dezember-Sitzung hatte das Präsidium des Fußballverbands Rheinland (FVR) den Spielbetrieb bis Ende Februar ausgesetzt. Rein theoretisch ist also möglich, dass nach dem Ende des Lockdowns ab Anfang Februar wieder trainiert und ab Ende Februar um Punkte gespielt werden darf.

Realistisch ist diese Annahme jedoch nicht. Erst recht nicht nach den jüngsten Aussagen von Markus Söder, der von einer Lockdown-Verlängerung im Februar und weiteren einschneidenden Maßnahmen spricht. Es ist daher kaum zu erwarten, dass im Februar wieder die Abstandsregeln so gelockert werden, dass geregeltes Training möglich ist. Und das ist nach der langen Pause eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme des Spielbetriebs – vor allem wegen der Verletzungsgefahr. Dazu sagt der bekannte Sportmediziner Fred Weber: „Corona ist irgendwann vorbei, die Spieler gehen wieder ins Training, haben aber die körperlichen Voraussetzungen nicht mehr, versuchen umzusetzen, was vorher routinemäßig im Wettkampf an Leistung abgerufen wurde, ohne dass aber die aktuellen körperlichen Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Damit sind Sportverletzungen programmiert.“

Auch die Fußballer müssen sich Schritt für Schritt wieder an normale Bedingungen herantasten. So wie es im vergangenen Sommer nach der ersten Corona-Zwangspause war. Von Mitte März bis Mitte Juli war vier Monate kein „normaler“ Fußball möglich. Ab dem 15. Juli durfte wieder in großen Gruppen uneingeschränkt trainiert werden, ab Mitte August liefen die ersten Pokalspiele, Anfang September ging die Meisterschaft los – Ende Oktober wurde die Saison wieder unterbrochen.

In den wenigen Wochen, als wieder Fußball gespielt wurde, hatte Kniespezialist Weber viel zu tun: „Als es wieder losging, kamen Ende Juli die ersten Patienten. Dann trat ein Phänomen auf, das die Fachleute vorausgesagt hatten. Es wurde wieder intensivst Sport getrieben, die Patienten waren nicht trainiert, sie hatten drei Monate nichts gemacht. Da hatte ich an einem einzigen Vormittag zwölf Kreuzbandrisse in meiner Sprechstunde. Fachleute haben vorausgesehen, dass das Verletzungsrisiko steigt.“ Eine längere Vorbereitungszeit ist demnach im Amateurfußball nach der langen Pause vonnöten, um auch Verletzungen vorzubeugen. Dazu kommt noch das drohende Zuschauerverbot. Ohne Besucher und damit verbundene Einnahmen lehnen die Klubs bekanntlich Spiele ab. Unter dem Strich zeichnet sich deshalb nach der neuen Entscheidung ab, dass erst nach Ostern (erstes April-Wochenende) wieder komplette Spieltage ausgetragen werden können. Man muss kein Prophet sein: Ein realistischer Starttermin ist womöglich erst das Wochenende am 10. und 11. April bei frühlingshaften Temperaturen.

Was heißt das für die Spielklassen von der Rheinlandliga bis in die C-Klasse? In den überkreislichen Ligen (Rheinland- und Bezirksliga) muss die Saison am 13. Juni beendet sein, um den Übergang zur neuen Runde, die auf jeden Fall wie immer am 1. Juli beginnt, mit eventuellen Entscheidungsspielen hinzubekommen. Für die Kreisligen ist der späteste Saisonschluss auf den 20. Juni terminiert. Zehn (überkreisliche Ligen) respektive elf (Kreisligen) Wochenenden stünden den Kickern demnach zur Verfügung, um die Saison „in die Wertung“ zu bekommen, was das Bestreben des FVR ist, um einen weiteren Abbruch wie in der Vorsaison zu vermeiden.

Was ist daher noch möglich? Eine komplette Runde ist utopisch, in den überkreislichen Ligen stünden in dem Szenario noch 25 Spieltage an, in der Kreisliga A 21 und B Ahr und Mayen je 18, in den C-Klassen Ahr und Mayen je 16 und in den D-Klassen Nord und Süd je 14 Spieltage. Nicht zu vergessen die Nachholspiele. Das ist nicht mehr machbar. Das Szenario mit dem Play-off-System (Ligenteilung nach der Hinrunde, dann Auf- und Abstiegsrunde) ist sicherlich noch denkbar, aber da dürfte ab dem 11. April bis Mitte Juni nicht viel passieren (beispielsweise Spielausfälle wegen Corona) – und die Vereine müssten sich auf mehrere englische Wochen einstellen: In dem Szenario stünden in der Rheinland- und der Bezirksliga noch acht Hinrundenspieltage an plus neun Spieltage in der Auf- und Abstiegsrunde – macht 17 Spieltage (ohne noch zu absolvierende Nachholpartien plus Pokalspiele) in zehn Wochen. In der A-Klasse wären es sechs Hinrundenspieltage plus sieben Spieltage im Play-off-System – macht 13 Spieltage in elf Wochen. In den B-Klassen wären es vier plus sechs und den D-Klassen drei plus fünf.

Nach all den düsteren Prognosen ist eine Beendigung der Hinrunde somit als Saisonausgang am realistischsten. Acht Spieltage in den überkreislichen Ligen, fünf Spieltage in den Kreisklassen A und B sowie drei Spieltage in den C-Klasse müsste man bis Mitte Juni hinbekommen, um das große Ziel „Saisonwertung“ zu erreichen. Dafür reicht eine Abschlusstabelle, in der jeder gegen jeden einmal gespielt hat. Es gäbe in dem Szenario Auf- und Absteiger, der Verband hätte sein Minimalziel erreicht.

Und wenn doch alle Stricke reißen, bleibt nur der Saisonabbruch wie in der vorherigen Spielzeit. Dann würde die Saison 2021/22 mit den gleichen Mannschaften in den gleichen Ligen wie in 20/21 losgehen. Das Horrorszenario für alle Beteiligten – aber das scheint nicht so weit entfernt zu sein wie das Beispiel des Fußballverbands Hamburg (HFV) zeigt: Eine Prüfung des HFV hat ergeben, dass das Wochenende 27./28. Februar als letztmöglicher Starttermin gilt, um in Hamburg eine komplette Hinrunde zu Ende spielen zu können. Die sei zur Wertung über Auf- und Abstieg nötig. „Sollte hingegen dieser Termin verstreichen, ohne dass ab Mitte Februar Mannschaftstraining wieder möglich ist, wird die Saison 2021/2022 am 1. Juli 2021 mit dem Stand 1. Juli 2020 neu begonnen. Dann gäbe es in der Saison 2020/2021 keine Meister sowie keine Auf- oder Abstiege“, heißt es in einem offenen Brief des Fußballverbands Hamburg.

[Quelle: Rhein-Zeitung]